The Roots of Dock66

Dock66-Chef Frank Muschalla war zunächst Enduro gefahren, Yamaha DT 400, später XT 500. 1981 kaufte er sich eine Honda CB 750 Four – mit der klar formulierten Absicht, daraus einen echten Chopper zu bauen. Nicht etwa so einen halbherzigen Softchopper, ein lieblos mit Hochlenker und dickem Hinterrad bestücktes Tourenbike, wie ihn neuerdings die japanischen Hersteller ab Werk anboten. Nein, es sollte ein amtlicher Langgabler mit Stufensitzbank und handgemachtem Charme werden.

Nun war es aber so, dass die teutonischen Behörden diese neuartigen Chopper ziemlich unsinnig fanden und einer weiten Verbreitung massive Brocken in den Weg stellten. Das hieß, entweder man baute seinen Chopper ohne zugelassene Teile und wurde früher oder später unsanft aus dem Verkehr gewunken, oder man musste sich mit TÜV, Zulassungsstelle, Polizei und Kraftfahrtbundesamt arrangieren und auf geprüfte Umbauteile zurückgreifen. Wer in den 70ern und frühen 80ern einmal mit seinem Chopper eine Hauptuntersuchung beim TÜV absolviert hat, der merkte schnell, mit welchem Misstrauen und Unverständnis die mächtigen Blaukittel dieser Motorradgattung gegenüberstanden. Für die meisten Prüfer waren diese rotzigen „Rockerbikes“ angeberisch, provokativ und gefährlich. Mit einem Entgegenkommen war nicht zu rechnen. Nur wer kugelsichere Papiere für seine Umbauteile hatte, dem wurde mit etwas Glück und unter granteligen Kommentaren die frische Plakette erteilt.

Damals gab es so gut wie keine Chopperteile, die wenigen verfügbaren Sissybars oder Lenker kamen fast ausschließlich aus den USA und waren in den seltensten Fällen bei uns eintragungsfähig. Die einzige Chance, einen legalen Chopper zu fahren, offerierten eine Hand voll kleiner Firmen, die geprüfte Lenker, Schalldämpfer oder Gabelverlängerungen anboten. Allen voran hatte AME eine Lanze für die Chopperfahrer in Deutschland gebrochen. Für deutsche Chopper-Fahrer gab es nur wenige Alternativen zu AME, es sein denn, sie verzichteten auf eine Legalisierung ihrer Umbauten. Anfang der 80er-Jahre fand der Verkauf von AME-Teilen nicht mehr ausschließlich über die AME-Firmenzentrale in Schauenburg statt. Über ganz Deutschland waren Stützpunkthändler verteilt. Filialen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Duisburg, München und Zürich sorgten für eine weite Verbreitung der AME-Philosophie.

Auch Frank wusste: Wer in den späten 70ern oder Anfang der 80er einen Chopper aufbauen wollte, der kam an AME nicht vorbei. Er vereinbarte also einen Termin mit den hessischen Spezialisten und brachte die seriennahe CB 750 mit dem VW Bus eines Kumpels nach Schauenburg. Wenige Wochen später hatte die „Four“ eine endlos lange Gabel, ein dickeres Hinterrad, vorverlegte Rasten, einen hochgelegten Sportstertank und vieles mehr. In der eigenen Werkstatt ergänzte er die Umbauten um eine Stufensitzbank, gekürzte Schutzbleche und viele weitere Details, gekauft in der Düsseldorfer AME-Filiale oder den damals aufkommenden Kataloganbietern. Endlich hatte Frank einen echten Chopper – ein für damalige Verhältnisse äußerst radikales Bike, dabei legal zugelassen und zuverlässig wie ein Serienmotorrad.

Nach ein paar lässigen Sommern, mehreren Urlauben und einer Umlackierung von Metallic-Blau nach Candy-Rot verkaufte Frank seine AME-Honda zugunsten einer Big Twin Harley-Davidson. Doch rund zehn Jahre nach dem Aufbau seines ersten Choppers wollte Frank Muschalla das Thema Chopper selbst in die Hand nehmen. Er gründete 1991 die Marke Dock66 Motorcycle Parts und baute nach und nach einen angesehenen Versandshop für Custombike-Zubehör und Umbauteile auf. Und so schließt sich er Kreis.